Städtebauliches Konzept
Das Wohnbauprojekt Liesingbachstraße 197–199 befindet sich in Rothneusiedl am südlichen Stadtrand von Wien. Die Umgebung ist durch eine heterogene Bebauungsstruktur geprägt, in der historische, niedriggeschossige Gebäude auf jüngere, großvolumige Wohnbauten treffen. Unmittelbar gegenüber liegt der begrünte Vondrakplatz.
Ausgangspunkt des Entwurfs ist die Untersuchung unterschiedlicher Bebauungspotenziale und deren Auswirkungen auf den städtebaulichen Kontext und die Wohnqualität. Anstelle einer maximalen Ausnutzung des Grundstücks wird ein kompakter, U-förmiger Baukörper entwickelt, der einen großzügigen Innenhof umschließt.
Die geschlossene Straßenbebauung wird durch eine 7,5 Meter breite Öffnung mit begrüntem Vorplatz unterbrochen. Dadurch entsteht eine Sichtachse vom öffentlichen Straßenraum in den rückwärtigen Garten. Die Staffelung der oberen Geschosse nimmt die unterschiedlichen Gebäudehöhen der Nachbarschaft auf und vermittelt zwischen den bestehenden Bebauungsstrukturen.
Wohnkonzept und Erschließung
Das Raumprogramm umfasst 16 Mietwohnungen mit Wohnflächen zwischen rund 40 und 85 m² sowie eine flexibel nutzbare Büro- beziehungsweise Praxisfläche im Erdgeschoss.
Die Wohnungen sind über einen offenen, natürlich belichteten Laubengang im Innenhof erschlossen. Ein freistehender Aufzug verbindet die Wohngeschosse mit der Tiefgarage und bildet gemeinsam mit den Laubengängen ein eigenständiges Erschließungssystem.
Die reduzierte Gebäudetiefe ermöglicht eine großzügige Belichtung der Wohnräume und natürliche Querlüftung. Erdgeschosswohnungen erhalten private Gartenflächen, während die darüberliegenden Wohnungen über Loggien, Balkone oder Terrassen verfügen.
Freiräume und Wohnqualität
Der begrünte Innenhof bildet das räumliche und soziale Zentrum des Gebäudes. Durch die offenen Laubengänge entstehen geschossübergreifende Blickbeziehungen und gemeinschaftlich nutzbare Übergangszonen zwischen den Wohnungen.
Der rückwärtige Gemeinschaftsgarten ergänzt die privaten Freiräume und schafft einen geschützten Aufenthaltsbereich für die Bewohner.
Die Gestaltung der Freiräume ist eng mit der Gebäudestruktur verknüpft. Vorgarten, Innenhof und Gemeinschaftsgarten bilden eine Abfolge unterschiedlich nutzbarer Außenräume und fördern die Verbindung zwischen privatem Wohnen und nachbarschaftlicher Begegnung.
Bebauungsstudie und Projektentwicklung
Ein wesentlicher Bestandteil des Entwurfs ist die Untersuchung der baurechtlichen Rahmenbedingungen und möglicher Bebauungsvarianten.
Die Vergleichsstudie zeigt eine maximal mögliche Nutzfläche von rund 1.600 m². Der gewählte Entwurfsansatz reduziert diese auf etwa 1.000 m², um eine geringere Gebäudetiefe, bessere Belichtungsverhältnisse und großzügige gemeinschaftliche Freiflächen zu ermöglichen.
Im Rahmen der Projektentwicklung wurde eine städtebauliche Begründung für Abweichungen von den festgesetzten Gebäudehöhen gemäß § 69 Wiener Bauordnung erarbeitet. Die Untersuchung berücksichtigt die vorhandenen Nachbargebäude, deren Belichtung sowie die unterschiedlichen Bebauungsdichten und Höhenentwicklungen entlang der Liesingbachstraße.
Der Entwurf versteht Nachverdichtung nicht als reine Maximierung der Nutzfläche, sondern als Abwägung zwischen baulicher Dichte, städtebaulicher Verträglichkeit und langfristiger Wohnqualität.