Konzept
Der Wettbewerbsentwurf zur Erweiterung und funktionalen Neuorganisation der Europaschule Linz verfolgt das Ziel, neue pädagogische Unterrichtsformen innerhalb der bestehenden Schulstruktur zu ermöglichen und die architektonischen Qualitäten des Ensembles der Nachkriegsmoderne weiterzuentwickeln.
Das Hauptgebäude bleibt in seiner äußeren Erscheinung unverändert. Durch die Auslagerung der Verwaltung und gezielte Eingriffe in die bestehende Raumorganisation entstehen neue Flächen für Unterricht, gemeinschaftliches Lernen und individuelle Betreuung.
Raumorganisation und Clusterschule
Das pädagogische Konzept basiert auf der Organisation der Unterrichtsräume in überschaubaren Klassenclustern. Stammklassen und Gruppenräume werden durch erweiterte Erschließungszonen mit offenen Lern- und Aufenthaltsbereichen ergänzt. Die ehemaligen Gangflächen entwickeln sich zu vielseitig nutzbaren Aktivitätszonen.
Allgemein genutzte Schulbereiche werden unabhängig von den Klassenclustern erschlossen. Dadurch entstehen flexible Lernlandschaften, die sowohl gemeinschaftliche Aktivitäten als auch konzentriertes Arbeiten ermöglichen.
Erweiterung und bauliche Eingriffe
Der neue Verwaltungsbau wird als aufgeständerte Holzriegelkonstruktion über dem bestehenden Verbindungstrakt positioniert und im zweiten und dritten Obergeschoss an das Hauptgebäude angebunden. Seine offenen, flexibel organisierbaren Grundrisse ermöglichen unterschiedliche Arbeits- und Verwaltungsstrukturen.
Der bestehende Verbindungstrakt bleibt erhalten und nimmt im Untergeschoss Küche und Speisesaal auf. Sein Flachdach wird zu einer teilweise überdachten Terrasse umgestaltet, die zusätzliche Flächen für Pausen und Unterricht im Freien schafft.
Durch die Entkernung der ehemaligen Hausmeisterwohnung und angrenzender Räume entsteht ein Musik- und Veranstaltungssaal mit doppelter Raumhöhe, der auch für kleinere Konzerte und Theateraufführungen genutzt werden kann.
Freiraum und Erschließung
Das Freiraumkonzept schafft klar definierte Außenbereiche mit unterschiedlichen Nutzungsqualitäten. Ein neuer Pausengarten im Osten verbindet Essen, Spielen und Bewegung, während westseitig ein Küchengarten mit Hochbeeten entsteht.
Der bestehende Haupteingang wird durch einen barrierefreien Zugang ins Untergeschoss ergänzt. Ein neu gestalteter Vorplatz mit Sitzgelegenheiten, Freitreppe und Einbindung des Europadenkmals stärkt die öffentliche Präsenz der Schule.
Bestand und Nachhaltigkeit
Im Sinne des Ensembleschutzes setzt sich die neue Holzkonstruktion bewusst von der massiven Architektur der Nachkriegsmoderne ab, ohne deren räumliche und gestalterische Qualitäten zu beeinträchtigen.
Der weitgehende Erhalt der bestehenden Bausubstanz, die funktionale Wiederverwendung vorhandener Gebäudeteile und die ressourcenschonende Holzbauweise bilden die Grundlage eines nachhaltigen und zukunftsorientierten Schulumbaus.
Projektteam
Jan Weinold, Martin Wölger und Christian Tonko