Konzept
Die Diplomarbeit „Conservation vs. Heritage“ untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Erhalt historischer Siedlungsstrukturen und ihrer Weiterentwicklung unter veränderten gesellschaftlichen und räumlichen Bedingungen.
Im Mittelpunkt steht Kat Hing Wai, eines der traditionellen, ummauerten Dörfer – sogenannten Walled Villages – in den New Territories von Hongkong. Die historische Siedlungsstruktur mit ihren engen Gassen, kompakten Wohnhäusern und umschließenden Mauern bildet ein bedeutendes kulturelles Erbe, steht jedoch zunehmend im Konflikt mit zeitgemäßen Wohnbedürfnissen und baulichen Veränderungen.
Ziel der Arbeit ist es, eine nachhaltige Revitalisierungsstrategie zu entwickeln, die den historischen Bestand nicht als statisches Denkmal betrachtet, sondern als lebendigen, weiterentwicklungsfähigen Siedlungsraum.
Städtebaulicher Masterplan
Der Masterplan untersucht Möglichkeiten einer kontrollierten baulichen Entwicklung unter Berücksichtigung der historischen Siedlungsstruktur.
Durch eine Neuorganisation der Bebauung, differenzierte öffentliche und halbprivate Freiräume sowie die gezielte Weiterentwicklung bestehender Erschließungsstrukturen sollen neue räumliche und soziale Qualitäten entstehen.
Die historischen Mauern, Wehrtürme und die ehemalige Grabenanlage werden als identitätsstiftende Elemente in die Revitalisierungsstrategie eingebunden.
Das Konzept versteht sich als exemplarischer Ansatz, dessen Grundprinzipien auch auf andere Walled Villages in Hongkong übertragen werden können.
Neue Wohnbautypologien
Auf architektonischer Ebene werden neue, vertikal organisierte Wohnformen entwickelt, die sich aus der traditionellen Typologie der eingeschossigen Ping-Fong-Häuser ableiten.
Die neuen Wohnstrukturen verbinden private Rückzugsbereiche mit gemeinschaftlich nutzbaren Flächen. Innenhöfe, vertikale Gärten und differenzierte Erschließungszonen verbessern die natürliche Belichtung und Belüftung und schaffen zusätzliche Möglichkeiten für soziale Interaktion.
Die Neuinterpretation bestehender Wohnformen ermöglicht eine höhere Nutzungsdichte, ohne die räumliche und kulturelle Identität der historischen Siedlung aufzugeben.
Kulturerbe und nachhaltige Entwicklung
Die Arbeit versteht Denkmalschutz und Stadtentwicklung nicht als Gegensätze, sondern als miteinander verbundene Aufgaben.
Der Erhalt charakteristischer baulicher Strukturen wird mit neuen Wohnbedürfnissen, ökologischen Maßnahmen und einer langfristig tragfähigen Siedlungsentwicklung verknüpft.
„Conservation vs. Heritage“ formuliert damit eine Strategie für den Umgang mit lebendigem Kulturerbe, bei der nicht allein die historische Bausubstanz, sondern auch die soziale Kontinuität und die zukünftige Nutzung der Siedlung im Mittelpunkt stehen.
Akademischer Kontext und Auszeichnungen
Diplomarbeit, Akademie der bildenden Künste Wien, 2009
Betreuung: Nasrine Seraji, Michelle Howard und Gabu Heindl
Blue Award 09 – Auszeichnung in der Kategorie Stadttransformation und Stadtentwicklung
Anerkennungspreis der Akademie der bildenden Künste Wien